Reisebericht Nicole Grütter

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Bereits als Teenager hörte ich Geschichten über das Schulprojekt in Brasilien. Ich war davon fasziniert, wie engagiert und beherzt Marlene sich für die Kinder einsetzt. Schon damals habe ich mir vorgenommen, einmal mit nach Brasilien zu reisen. Diesen Herbst konnte ich meinen Wunsch verwirklichen.


Mit drei Taschen voller Geschenke und Zahnbürsten sind wir in Brasilien gelandet. Am Flughafen wurden wir herzlich von den Lehrerinnen empfangen. Zuerst stand eine Sitzung an, zu welcher wir mit einem etwas unguten Gefühl starteten. Gab es doch aus Deutschland schlechte Nachrichten zu überbringen. Gleichzeitig wurden uns Informationen zugetragen, dass in der Schule nicht alles nach Wunsch laufe. Mit einem Kraftakt wurde die Sitzung eröffnet. Nicht zuletzt dank einem Dolmetscher endete die Besprechung sehr positiv und einige Missverständnisse konnten aus dem Weg geräumt werden. Gut gelaunt gingen wir gem einsam Znacht essen und für eine Nacht durften wir die Gastfreundschaft einer Lehrerin geniessen.


Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Ich freute mich riesig darauf, den Schulbetrieb und die Kinder zu sehen. Mit dem Bus und zu Fuss nahmen wir den stündigen Schulweg in Angriff. Unterwegs begegneten wir einigen Jugendlichen, welche Marlene erkannt und freudig begrüsst haben. Ich empfand diese Momente als sehr emotional und habe gespürt, dass dies der Antrieb für Marlenes Engagement ist.

Endlich waren wir in der Schule angekommen. Die Schülerinnen und Schüler sassen alle schon in ihren Klassen. Ich habe mich zu den Schülern an ein Pult gesetzt, um erste Eindrücke zu sammeln. Wer einen Schulbetrieb, wie wir ihn gewohnt sind erwartet, liegt falsch. Es geht lauter und lebendiger zu und her als in europäischen Klassenzimmer. Trotzdem sind die Kinder interessiert daran, was die Lehrerinnen erzählen.
 
Zwei Töchter von Lehrerinnen arbeiten freiwillig in der Schule mit. Erica gibt an ihrem freien Tag Ballettunterricht für die Kinder. Glücklicherweise konnten wir dies miterleben. Es war spannend zu sehen, wie alle Jugendlichen mitgemacht haben. Einige mit mehr, andere mit weniger Geschick. Trotzdem ist die Gelegenheit ideal, um das Körpergefühl zu schulen.


Livia hat an der Universität Semesterferien. Die Zeit nützt sie, um mit einigen Kindern den Garten zu bewirtschaften. Leider musste die Saat zweimal ausgebracht werden, da nach der ersten Aussaat nochmals heftiger Regen fiel. Dabei stürzten  auch  zwei  Bäume  ins  Schulareal.  Nun  sieht  der  Garten  aber  ordentlich  aus  und verspricht eine gute Ernte. Mit den geplanten Änderungen an denen zur Zeit gearbeitet wird, kann nachher noch mehr angepflanzt werden.

Ich habe den Morgen genützt um beim Jäten zu helfen. Weiter habe ich alle Kunstwerke bestaunt, welche die Schüler gebastelt und gezeichnet haben. Aus Gegenständen, welche wir bei uns in den Abfall werfen, werden dort schöne und nützliche Objekte erstellt. Vor dem Essen habe ich in der Küche beim Waschen und Schneiden des Gemüses geholfen.
In  der  Pause konnten alle  Kinder eine  warme Mahlzeit fassen. Nach dem Essen war Händewaschen und  Zähneputzen angesagt. Lustigerweise fand das Zähneputzen im Schulhof statt. Zum Spass aller wurde am Schluss der Mund gespült und das Wasser in weiten Fontänen ausgespuckt. Danach kam noch mehr Leben in die Schule. Die Jungs vergnügten sich mit Fussball, während die Mädchen Seil hüpften. Die meisten waren von unseren Kameras begeistert und wollten, dass wir ganz viele Fotos von ihnen schiessen. Überall stellten sie sich in Pose.


Am Mittag haben wir zusammen mit den Lehrerinnen gegessen. Am Nachmittag kamen dann die jüngeren Kinder zum Unterricht. Für uns war es Zeit, Abschied zu nehmen.


Bei meinem Besuch habe ich erfahren, wie wichtig die Schule für die Kinder ist. Die staatliche Schule ist über eine Stunde entfernt, viele würden daher nicht zur Schule gehen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen lernen die Kinder auch viel fürs Leben. Mich hat fasziniert, wie viel die Lehrerinnen leisten und mit wie viel Herzblut sie ihre Arbeit machen. Mit wenigen Mitteln erreichen sie unheimlich viel.
Nachdem ich alles selber sehen und erlebt durfte, verstehe ich den Enthusiasmus von Marlene, den sie seit Jahren hat. Und ich weiss nun umso mehr, dass der Verein Liberdade das Richtige tut.

Herbst 2011, Nicole Grütter

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Zugunsten von:
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