Reisebericht von Aliza Eva Berger
Ende September bekam ich die Chance mit Marlene Grieder, Präsidentin des Vereins Liberdade in der Schweiz, nach Recife zu reisen. Mein erstes Mal in Brasilien. Bereits am Flughafen wurden wir mit einem warmherzigen Lachen der Lehrerinnen, deren Familien und natürlich Christiane und Marcos empfangen. Schon dort bekam ich eine Gänsehaut, denn die Freude war deutlich spürbar.
Ich war schlichtergreifend überwältigt. Als ich das erste Mal in den lokalen Bus sass, der in regelmässigen Abständen in das Armenviertel „Sitio dos Macacos“ fährt, spürte ich, wie mein Herz wild pulsierte. Ein paar Mal musste ich meine Augen schliessen, um es überhaupt zu glauben. Ich war tatsächlich in einer Favela. Es war staubig; die Strassen hatten keinen Belag; Kinder rannten neben dem Bus her und Frauen und Männer standen vor ihren „Häusern“. Ich werde diese Blicke nie vergessen, diese Augen, voller Staunen, Neugierde und Stolz.
An der Schule angekommen, war mir ganz schwindelig vor Nervosität, das Kinderlachen strömte aus dem Garten. Ich wurde allen vorgestellt und zeigte mich den Kindern, es ist sehr wichtig einfach loszulassen, genau das tat ich. Diese wunderbaren kleinen Menschen schloss ich von der ersten Sekunde an in mein Herz.
Die Escola Uniao Communitaria beschäftigt seit einiger Zeit eine tolle Schulpsychologin Etienne, diese Frau therapiert die Kinder mit einer enormen Ausstrahlung und Mutterliebe. Viele der Schülerinnen und Schüler leiden unter Hunger, Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Dies hat mich zutiefst schockiert und sehr nachdenklich gemacht.
Die Kinder benötigen unglaublich viel Betreuung, die wunderbare Lehrschaft leistet herausragende Arbeit. Ein grosses Lob an: Marinese, Mariluce, Betannia, Andrea, Etienne, Lucinette und Eliane.
Alle Lehrerinnen stammen aus Armenvierteln, dadurch haben sie den gleichen Hintergrund wie die Kinder. Manchmal fühlte ich in mir Wut und Trauer aufsteigen, weil ich durch diesen Kulturschock realisierte, wie unwichtig viele meiner Probleme sind.
Durch die Fotos konnte ich meine Emotionen festhalten. Was ich sah und fühlte war unbeschreiblich.
Herzlichen Dank an die ganze Escola, Christiane und Marcos für eure kostbare Zeit und Gastfreundschaft, Marcela, Yoruba, Betannia, Edgar und allen Lehrerinnen, ich vermisse sie sehr.
Dieses einmalige Erlebnis hat mich zu einem besseren, aufmerksameren und offenen Menschen gemacht. Danke dir Marlene, für dein Vertrauen, ich bin dir unendlich dankbar.
